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Energieeffizienz – neue Aufgabe für Qualitäter?

Thomas Funck
11. November 2011

Dass Umweltschutz und Arbeitssicherheit zu einem integrierten QM-System gehören, ist ein alter Hut. Aber haben Sie gewusst, dass die Sorge um möglichst effiziente Energienutzung künftig zu den Aufgaben des Qualitäters zählen könnte? Das Neue hat bereits einen Namen: Total Energy Efficiency Management (Fraunhofer IPA).

Laut einer Sonderumfrage des Münchner ifo-Instituts wird die Energieeffizienz für Unternehmen immer wichtiger. Nach Einschätzung von fast zwei Dritteln (64,8%) der Konjunkturtestteilnehmer hat die Bedeutung der Energieeffizienz in der Produktion in den vergangenen drei Jahren zugenommen. Das ist angesichts steigender Energiepreise und des allgemeinen Trends zum Rationalisieren nicht weiter erstaunlich.

Markus Hornberger vom Fraunhofer IPA sagt, dass Energiekosten bis zum Jahr 2007 zu den berühmten „eh da“-Kosten zählten. Mit der Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 2008 bis 2010 setzte in vielen Unternehmen ein Umdenken ein. Sparen wo immer möglich ist nun das Leitmotiv. Hornberger meint, dass mit der von ihm mitentwickelten IPA-Methode Einsparungen von 10 bis 20 Prozent bei Fertigungsanlagen möglich sind.

Auch klassische CAQ-Softwareanbieter wie Guardus oder IBS glauben an das Potenzial eines effizienteren Umgangs mit dem Energieverbrauch in der Fertigung. Denn MES-Lösungen bieten sich geradezu an, auch Daten des Energieverbrauchs einer Maschine auszulesen und auszuwerten.

Man darf wohl damit rechnen, dass der Energieverbrauch und damit die Steuerung der Energieeffizienz künftig mehr als eine Nebenrolle spielen wird. Mit der Energienorm DIN EN 16001, die sich im Aufbau an der Umweltnorm DIN EN ISO 14001 orientiert, soll sparwilligen Managern Hilfe zuteil werden. Andreas Kirsch, Geschäftsführer von Guardus, kann sich sogar vorstellen, dass künftig die CO2-Emission eines Produkts ausgewiesen werden muss. Ähnlich den vertrauten Energieeffizienzklassen von A bis E, die wir etwa bei Kühlschränken kennen.

Für Qualitätsmanager tut sich damit ein weiteres Aufgabenfeld auf. Zusammen mit den Produktionern kann die Fertigung noch sauberer und günstiger gestaltet werden.

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Die zweite Welle

Thomas Funck
10. August 2011

Letzte Woche ist geschehen, was aufmerksame Beobachter seit langem erwarten: Der zweite Finanz-Tsunami hat die Märkte der Welt durchgerüttelt. Welche Auswirkungen diese Flutwelle auf die Wirtschaft, die Industrie und Dienstleister haben wird, ist derzeit Spekulation. Man darf aber ein weiteres Mal fragen, wie so ein Desaster grundsätzlich möglich ist.

Die Gründe scheinen bekannt und werden in sämtlichen Nachrichtenformaten monoton wiedergekäut. Da ist von der Schuldenkrise die Rede, in den USA wie im Euroraum. In der Herabstufung der wirtschaftlichen Supermacht USA durch Rating-Agenturen und der darauf folgenden Panik an den Börsen sehen Banker den Auslöser. Mag ja alles stimmen, doch rechtfertigt dieses von Verlustangst getriebene Handeln an den Finanzmärkten einen Crash, der abermals Kapital in astronomischen Dimensionen verbrennt?

Die deutschen Autohersteller haben noch kurz vor dem zurückliegenden schwarzen Donnerstag sensationelle Zahlen vorgelegt. Sie repräsentieren die Kraft eines Wirtschaftens, das auf schlanke und effiziente Werschöpfungsprozesse setzt. Und dies über ein globales Netzwerk von Lieferanten hinweg. Selbstverständlich funktioniert ein derartiges System nur mit ausgeklügelten Spielregeln, an die sich alle halten. Normen und Standards bilden eine filigrane Mechanik für das globale Zusammenspiel. Doch wie sieht im Vergleich dazu das weltweite Finanzsystem aus?

Schon während der letzten Finanzkrise, und damals waren klar die Banken die Auslöser, wurde über eine länderübergreifende Regulierung der Finanzmärkte diskutiert. Geschehen ist freilich nichts. Der Widerstand der Banken ist enorm und eine politische Einigung auf internationaler Ebene scheint gerade in Finanzfragen heikel. Doch die Idee einer Finanzmarktregulierung sollte nicht aufgegeben werden. Der Motor einer gesunden Weltwirtschaft wird auf absehbare Zeit die Produktion von Gütern und Dienstleistungen bleiben – nicht die riskanten Geschäfte an unberechenbaren Finanzmärkten.

Wie lange wollen Unternehmer und Aufsichtsräte eigentlich noch zusehen, wie Kapital von finanziellen Flutwellen davongeschwemmt wird? Und wie lange können es sich sogenannte Kreditinstitute noch erlauben, ihrer eigentlichen Funktion nicht gerecht zu werden: Den Wirtschaftsmotor mit Sprit zu versorgen, statt diesen sorglos zu verbrennen?

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Kooperieren statt kopieren!

Thomas Funck
04. Mai 2011

Es scheint in der Luft zu liegen: kooperieren, nicht einfrieren! Was? Software-Know-how. Die Zeiten als Softwareschmieden ihr hart erarbeitetes und teuer bezahltes Entwicklungswissen für sich behielten, gehen dem Ende entgegen. Und wir sprechen nicht von Open Source, jedenfalls nicht auf der Fachmesse Control.

Es geht um CAQ, MES und BPM. Software, die von einer übersichtlichen Schar von Anbietern entwickelt wird, die sich einen übersichtlichen Markt teilen. Den Markt der Qualitätssicherung und des Q-Managements. Was aber treibt Softwarehäuser wie jüngst Babtec und Binner IMS an, wenn sie über einen modus vivendi verhandeln? Es geht um die Bündelung von Kernkompetenzen, die im Lauf vieler Jahre herausgebildet wurden. Diese sind offenbar derart speziell, dass sie nicht ohne großen Aufwand kopiert oder gar neu entwickelt werden können. Zu unterschiedlich sind auch die Bedürfnisse und Wünsche auf Kundenseite. Wer eine leistungsfähige Software für FMEA sucht, wird nicht automatisch bei einem Anbieter für Prozessmanagementlösungen fündig - und vice versa. Das sind gänzlich unterschiedliche Anforderungen und entsprechend verschiedene Lösungen. So haben sich in der zurückliegenden Dekade auch auf dem Gebiet der Qualität mehrere Zweige entwickelt, die den Reifegrad von Unternehmen widerspiegeln. Wer mit einer Maschinendatenerfassung begonnen hat, ist wohl irgendwann auf die Idee gekommen, diese Daten auch für statistische Auswertungen zu nutzen. Wer sich um die Verbesserung seiner Leistung bemüht, stößt vermutlich  auf die Idee der Prozessgestaltung in Fertigung und Organisation. Und da wir mittlerweile eine technologische Flughöhe erreicht haben, auf der die Zusammenführung von Softwaresystemen möglich ist, wird das von Unternehmen auch gewünscht und gemacht. Die Kunden wünschen eine Architektur, die der State of the Art entspricht. Dot-Net ist hier nur ein Stichwort, in der Realität jedoch ein mächtiges Instrument.

Jene Softwareanbieter, die ernsthaft ihre Kompetenzen in einen Hut werfen (und dies über einen abschätzbaren Zeitraum), haben bei Kunden einen Trumpf im Ärmel. Genau das dürfte die Motivation auf Anbieterseite sein - wenn der Markt dies wünscht, sollte es zum Erfolg führen.

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Wo bleibt das Risikomanagement?

Thomas Funck
24. März 2011

Die Reaktorkatastrophe in Japan kann als weiteres Menetekel für postmoderne Risikogesellschaften gedeutet werden. Die gesellschaftliche Bereitschaft, hochriskante Technologien für ein scheinbar besseres Leben in Kauf zu nehmen, wird vermutlich nachhaltig abnehmen. Atomkraft, Bio- und Gentechnologie, aber auch die Chemie bewegen sich vielfach in unberechenbaren, schwer vorhersehbaren und damit kaum beherrschbaren Risikozonen.

Dabei gibt es Tools zur Einschätzung von Gefährdungspotenzialen. Die Risikomatrix nach Nohl etwa beurteilt Risiken gemäß deren Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenhöhe auf einer fünfstufigen Skala. Demnach bewegt sich eine Technologie, die mit Blick auf die Schadenhöhe katastrophale Konsequenzen für das Leben der Menschen birgt, im kritischen Bereich (Stufe 5). Und das auch, wenn die Eintrittswahrscheinlichkeit denkbar gering ist (Stufe 1) – so wie die nun eingetretene Kombination aus Megabeben und Tsunami. Angesichts des japanischen Infernos muss man schließen, dass eine Risikobeurteilung dieser Art bei der AKW-Planung entweder nicht erfolgt ist, oder eben (allzu menschlich) nicht mit letzter Konsequenz betrieben wurde. Offenbar haben sich einmal mehr Profitdenken und mangelnde politische Weitsicht gegenüber der Vernunft durchgesetzt.

Doch Risikomanagement scheint noch vorwiegend ein Thema für Finanzvorstände zu sein. Eine CFO-Panel-Umfrage des Managementberaters Horváth & Partners kam jüngst zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Das Risikomanagement vieler Unternehmen weist Lücken auf, Finanzvorstände sehen Verbesserungsbedarf. Und diesen erkennen sie nur mit Bezug auf die Finanzen ihrer Unternehmen, keineswegs bei der Technologie. Das ist denkwürdig, denn der Erfolg einer Technologie entscheidet bekanntlich über die finanzielle Performance. Nur rund 40 Prozent der 200 Befragten gab an, dass Risikoinformationen fachlich in die strategische und operative Planung integriert sind. Immerhin mehr als ein Viertel der befragten Unternehmen hat überhaupt kein formalisiertes Risikomanagementsystem. Auffällig in der Studie ist auch der Umstand, dass gerade Branchen mit hohem technologischen Risikopotenzial am wenigsten in Risikomanagement investieren. Unternehmen aus dem Bereich Chemie, Pharma, Öl beschäftigen hier im Durchschnitt gerade einmal vier Mitarbeiter je Unternehmen. Am meisten Mitarbeiter im Risikomanagment beschäftigen Banken und Versicherungen mit durchschnittlich zehn. Es folgt die Automobilbranche mit durchschnittlich acht Mitarbeitern.

Ist es also an der Zeit für ein Umdenken, auch im Qualitätsmanagement? Sollte nicht das Risikomanagement – als Bestandteil eines integrierten Managementsystems – dem Aufgabenbereich des QM zugeordnet werden?

Risikomatrix

Weitere Informationen:

  • Beck, U.: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Suhrkamp
  • www.horvath-partners.com/studien

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Was macht eigentlich die DAkkS?

Thomas Funck
28. Januar 2011

Vor ziemlich genau einem Jahr wurde die Deutsche Akkreditierungsstelle GmbH (DAkkS) gegründet. Auslöser war die europäische Verordnung (EG) Nr. 765/2008, gemäß der  alle EU-Mitgliedstaaten ab 1. Januar 2010 eine einzige nationale Akkreditierungsstelle benennen mussten. Die DAkkS wurde also aus folgenden vier Vorgängerorganisationen geformt:

  • Deutsche Akkreditierungsstelle Chemie (DACH),
  • Deutsches Akkreditierungssystem Prüfwesen (DAP),
  • Deutscher Kalibrierdienst (DKD) und
  • Trägergemeinschaft für Akkreditierung (TGA).

Das Akkreditierungsstellen Gesetz legte ferner fest, dass die Überwachungspflichten für bestehende Akkreditierungen auf die nationale Akkreditierungsstelle übergehen sollten. Was also ist im Lauf eines Jahres geschehen?
Viel gibt’s offenbar nicht zu überwachen, um es gleich vorweg zu nehmen. Lediglich die Gesellschaft für Akkreditierung und Zertifizierung mbH (GAZ) wurde auffällig. Man hatte sich den neuen behördlichen Gegebenheiten einfach verschlossen und die Geschäfte weiterbetrieben, als ob es keine nationale Akkreditierungsstelle gäbe. Die Kunden, also Zertifizierer, hatten offensichtlich auch nichts mitbekommen. Doch deren Informationsdefizit wurde durch die DAkkS ausgeglichen, den Geschädigten wurde Hilfestellung angeboten. Rechtliche Schritte gegen das gesetzeswidrige Gebahren der GAZ wurden angekündigt.
Außerdem entdeckte die DAkkS noch ein Website-Plagiat des International Accreditation Forum (IAF). Auch in diesem Fall sollten rechtliche Schritte eingeleitet werden. Und sonst?
Die neue Superbehörde scheint mit sich selbst beschäftigt. Man baut sich langsam auf, Stellen werden besetzt und Aufgaben verteilt. Erst im Dezember 2010 waren alle Fachbeiräte vom Akkreditierungsbeirat vollständig besetzt worden:

  • Fachbeirat 1: Bauwesen / Verkehr / Werkstofftechnik / Materialprüfung
  • Fachbeirat 2: Geräte- und Anlagensicherheit / Telekommunikation / EMV
  • Fachbeirat 3: Gesundheit / Forensik
  • Fachbeirat 4.1: Gesundheitlicher Verbraucherschutz / Agrar
  • Fachbeirat 4.2: Chemie / Umwelt
  • Fachbeirat 5: Metrologie
  • Fachbeirat 6: System- / Personenzertifizierung

Bei soviel Schwung darf man gespannt auf die Aktivitäten in 2011 sein!

Weitere Infos:
http://www.dakks.de

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Deutschland – ein Wintermärchen?

Thomas Funck
14. Dezember 2010

Das Münchner ifo-Institut bescheinigt Deutschland für 2010 ein Boomjahr und setzt für 2011 auf Optimismus. Ifo-Leiter Prof. Sinn umschreibt die aktuelle Verfassung der deutschen Konjunktur mit „Deutschland – ein Wintermärchen“. Die Krise sei auch im Vergleich zur historischen Weltwirtschaftskrise von 1932 äußerst rasch überwunden worden. Ein derart starker Boom wie in 2010 sei vom ifo – Institut für Wirtschaftsforschung noch nie beobachtet worden. Und im EU-Raum ist Deutschland derezeit die Konjunkturlokomotive. Woher aber kommt der Aufschwung in Deutschland mit einem BIP-Wachstum von 3,7 Prozent? Erstens sehen die ifo-Forscher nach vielen lauen Jahren wieder eine echte Binnennachfrage. Und nicht der private oder staatliche Konsum befeuern diese Nachfrage, sondern Investitionen im Baugewerbe und in der Industrie. Zweitens sind die Zinsen niedrig wie nie, und das hat Gründe, wie Sinn meint: „Die Banken trauen sich nicht mehr, im Ausland zu investieren, und suchen inländische Kreditnehmer.“ Diese müssen mit günstigen Zinssätzen gelockt werden. Drittens spricht Sinn von einem Wunder am deutschen Arbeitsmarkt: „Man stelle sich vor, es ist Krise, und keiner geht hin“, formuliert der Konjunkturforscher. Die Zahl der Arbeitslosen könnte in 2011 auf unter drei Millionen sinken.
Allerdings sollte bei aller berechtigten Euphorie nicht vergessen werden, dass die Krise der südeuropäischen Länder noch nicht gelöst ist. Für Sinn teilt sich die Welt derzeit in Gewinner und Verlierer der Krise. Rechnungen für die laxe Schuldenpolitik einiger Länder würden jetzt fällig – in Form von stark entwerteten Staatsanleihen. Für das endlich boomende Deutschland stellen Länder wie Spanien oder Italien erhebliche Risiken dar. Nun hänge alles vom Umgang mit künftigen nationalen Finanzkrisen ab, betont Sinn, insbesondere im EU-Raum. Er rät der Politik dringend dazu, sich von der Vollkasko-Mentalität zu verabschieden. Damit meint er die Polarisierung in zahlungsunfähige oder solvente Staaten bzw. Rettungsschirm auspannen oder nicht. Er plädiert für „Haircut statt Hilfe“. Mit dem Haarschnitt (im Unterschied zur Rasur) bezeichnen Ökonomen die staatliche Hilfe mit Augenmaß. Konkret schlagen die ifo-Forscher eine Unterstützung von 20 bis max. 50 Prozent vor. Auch sei die Möglichkeit einer Neuverschuldung für eine Übergangszeit von drei Jahren notwendig.
Wieweit unsere Politiker dem Rat von Wirtschaftsweisen folgen, wissen wir nicht. Doch erfahrungsgemäß unterliegt die Vernunft den Interessen der Stärksten. Ob Deutschland sich mit seinen wirtschaftspolitischen Interessen durchsetzen kann, wird das kommende Jahr zeigen. Auf ein Neues und Gutes!

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China – überschätzter Gigant?

Thomas Funck
15. November 2010

China weckt Hoffnungen und schürt Ängste. Es birgt für den Westen enorme Marktpotenziale und droht gleichzeitig, die alten Exportnationen zu überflügeln. Doch wird dieses Land nicht überschätzt? Dr. Christian Malorny, Director bei McKinsey, gilt als hervorragender Kenner chinesischer Märkte und skizzierte auf einer Tagung der IBS AG ein reales Bild des aufstrebenden Wirtschaftsgiganten.

Das Wichtigste vorneweg: McKinsey prognostiziert für die kommenden zehn Jahre keinen Abbruch der Märkte in China! Das BIP wird voraussichtlich ein durchschnittliches Wachstum zwischen 6 und 7 Prozent verzeichnen. Die chinesische Regierung hat sogar 8 Prozent als offizielle jährliche Wachstumsmarke gesetzt. Tatsächlich hat die Volksrepublik selbst im Krisenjahr 2009 ein Wachstum von 8,7 Prozent erreicht.
In den Ausbau der Infrastruktur werden Milliarden investiert, insbesondere in die Revitalisierung der westlichen Provinzen. Bis zum Jahr 2020 werden 200 weitere Millionenstädte hochgezogen worden sein. Dabei darf nicht übersehen werden, dass noch im Jahr 2010 rund 800 Millionen Menschen (von ca. 1,3 Milliarden) von der Landwirtschaft leben. Der Schritt zur modernen Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft  muss erst noch vollzogen werden. „Die Phase des Konsums steht noch bevor“, gibt Malorny zu bedenken.
Die Chinesen entwickeln ein zunehmendes Umweltbewusstsein. Ein Drittel der weltweit verfügbaren green energy wird in China produziert. Chinesen verfügen über ein hohes kulturelles Selbstbewusstsein. Sie sparen im Durchschnitt 40 Prozent Ihres Einkommens. Und 1,5 Millionen Studenten verlassen jährlich die Universitäten mit einem Abschluss in der Tasche.
Beeindruckende Zahlen und Fakten allemal, aber sie zeigen nur einen Teil der chinesischen Realität. Bis zum Jahr 2020 werden vermutlich weitere 200 Millionen Menschen China bewohnen. „Derzeit läuft eine große Volkszählung an und es wird sich zeigen, ob sich tatsächlich alle Chinesen an die Ein-Kind-Regel gehalten haben“, bemerkt Malorny. Auf jeden Fall muss die Wirtschaft weiter wachsen, damit ein stabiler Arbeitsmarkt dieses Volk ernähren kann. Das übergeordnete Ziel der chinesischen Regierung ist soziale Stabilität und die kann nur der Wohlstand erhalten. Die Chinesen sind daher zum wirtschaftlichen Wachstum verdammt.
Wohlstand drückt sich auch in Bildung, Gesundheit und Vorsorge aus. Auch hier besteht großer Nachholbedarf, denn derzeit müssen Chinesen noch weitgehend selbst für die Ausbildung ihrer Kinder, die Gesundheit ihrer Familie und das Alter (vor)sorgen. Das ist der Grund, weshalb Chinesen so hohe Rücklagen bilden – es bleibt ihnen nichts anderes übrig.
Ein Rechtssystem wird errichtet, ist aber noch weit von westlichen Standards entfernt. So dauern Verhandlungen über ein Gesetz zum Schutz geistigen Eigentums an. Daran konnte auch der Beitritt Chinas zur World Trade Organisation nichts ändern.
Noch werden Innovationen importiert (bzw. kopiert), doch das könnte sich bald ändern. Angesichts der wachsenden Zahl hochqualifizierter Studienabgänger und vielfältiger Forschungskooperationen mit westlichen Universitäten sind chinesische Patente und Erstentwicklungen in den kommenden Jahren keine Utopie. Allein die deutsch-chinesischen Forschungskooperationen konzentrieren sich auf vielversprechende Wachstumsgebiete: Ökologie und Umwelttechnologie, Biowissenschaften bzw.-technologie und Materialwissenschaften. Der Wissenstransfer zwischen West und Ost ist keine Idee, sondern findet täglich statt.
Die EU ist mit 17 Prozent Anteil am Außenhandel der wichtigste Handelspartner Chinas. Es ist damit zu rechnen, dass China sich noch bis Ende 2010 auf Rang zwei der größten Wirtschafts- und Handelsnationen vorschieben wird. Hoffnung oder Risiko – an China kommt künftig kein Unternehmen vorbei.

Quellen

  • Dr. Christian Malorny: Dinner Speech und Podiumsdiskussion beim IBS-Expertenkreis, 3. November 2010
  • World Trade Organisation (WTO): http://www.wto.org/
  • Auswärtiges Amt: http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/china
  • Bundeszentrale für politische Bildung: www.bpb.deibs expertenkreis_

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Welt-Q-Tag am 11. November!

Thomas Funck
04. Oktober 2010

qualitagJa, Sie haben recht verstanden: Die European Organization for Quality (EOQ) proklamiert den Weltqualitätstag! Und das, obwohl „der Qualitätsgedanke sich innerhalb des letzten Jahrzehnts dermaßen im Bewusstsein der Bevölkerung verankert hat, dass das Thema eigentlich keinen Gedenktag benötigt“, so eine Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Qualität (DGQ). Also viel Lärm um Nichts?

Mitnichten! Die DGQ teilt weiterhin mit: „In dieser Qualitätswoche geht es unter dem Motto „Qualität – der Erfolgsfaktor“ vor allem darum, mit Aktionen und Aktivitäten ein Bewusstsein innerhalb der Öffentlichkeit zu schaffen, indem die Bedeutung und die Vorteile von Qualität für die internationale Wettbewerbsfähigkeit herausgestellt werden.“ Jetzt möchte man nachfragen: Geht es um einen Q-Feiertag oder um eine ganze Woche der Qualität? Und was verbirgt sich hinter den geheimnisvollen Aktionen und Aktivitäten?

Aufschluss gibt eine Empfehlung zur Gestaltung des Welt-Q-Tages: Die DGQ ruft ihre 6.000 persönlichen und 1.000 Firmenmitglieder auf, Qualität als Antriebsmotor für den Erfolg zu kommunizieren. Ferner werden Unternehmen und Organisationen aufgefordert, Kongresse, Konferenzen und Seminare unter Mitwirkung von Qualitätsmanagern, Auditoren, Wissenschaftlern, Unternehmern und Qualitätsfachpersonal zu organisieren, die sich alle im weitesten Sinn mit der Verbesserung von Qualität beschäftigen. Aha! Und wozu das Ganze?

DGQ-Präsident Dr. Jürgen Varwig erklärt: „Qualität muss im Mittelpunkt unserer Bemühungen um gute Arbeit stehen. Denn Qualität entscheidet in unserem an Rohstoffen armen Land über unsere Zukunft. Qualität ist Deutschlands Schicksal.“ Wohl gesprochen, klingt vernünftig, da möchte niemand widersprechen. Indes bleibt eine Frage offen: Warum hat man sich ausgerechnet für das Datum 11.11. (womöglich 11:11 Uhr) entschieden? Da beginnt doch die närrische Zeit! Will man die geschätzte Qualitätsgemeinde auf den Arm nehmen?

Aber nein – alles macht Sinn, wenn man folgendes weiß: Bereits 1989 haben die EOQ, die American Society for Quality (ASQ) und die Union of Japanese Scientists and Engineers (JUSE) den Weltqualitätstag ins Leben gerufen. Und es sollte immer der zweite Donnerstag im November sein (dieses Jahr zufällig der 11te). In den Folgejahren haben sich das Asian Network for Quality (ANQ), die International Academy for Quality (IAQ) und die Asia Pacific Quality Organization (APQO) angeschlossen. Ziel war und ist es, weltweit den Q-Gedanken zu verbreiten und die Güterqualität ständig zu verbessern. Alle, die sich zu Qualität bekennen, sollen an diesem Tag an die ständige Verbesserung erinnern.

Na denn, Helau!

Weitere Infos erhalten Sie über die:
•    DGQ-Landesgeschäftsstellen
•    DGQ-Regionalkreise

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CSR – des einen Hoffnung, des anderen Leid

Thomas Funck
13. August 2010

Kundenspezifische Anforderungen oder Customer Specific Requirements (CSR) sind veritable Reizworte in der Q-Szene. Für OEMs bieten sie eine Möglichkeit, dem Lieferanten Sonderwünsche hinsichtlich Qualitätsplanung und -sicherung ins Stammbuch zu schreiben. Für Lieferanten, insbesondere jene ab Tier 2 und dahinter, sind diese Kundenwünsche dagegen oft kaum mehr zu beherrschen. Zu komplex werden die Vertragswerke, als dass sie in der Praxis noch umgesetzt werden könnten. Da kann mancher Lieferant nur hoffen, dass nie ein Schadenfall eintritt, der ihn qua Beweislastumkehr zum Nachweis der Erfüllung solcher Klauseln zwingt.

Größere Lieferanten können sich Spezialisten leisten, die CSR verschiedener Kunden systematisieren und ihre internen QS-Prozesse wenigstens mit den wesentlichen Forderungen abgleichen. Doch was tun Tier-3- oder -4-Lieferanten? Sollen sie einen Auftrag ablehnen, weil sie diese Forderungen aus Kapazitätsgründen nicht erfüllen können? Oder sollen OEMs auf Bauteile und Features verzichten, die ihre Endkunden für hochattraktiv halten, aber von kleinen Lieferanten stammen? Ein Dilemma, das am Beispiel von scheinbar unverzichtbaren Elektronikkomponenten in Automobilen immer deutlicher wird.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat dieses Problem erkannt und reagiert auf seine Art: mit der Publikation eines Standards zur Erstellung von CSR. Die Frage ist nur, ob damit den Lieferanten eine echte Hilfestellung geboten wird. Der gute Wille ist deutlich zu erkennen, aber das Ziel scheint noch fern.

Quelle:

VDA: Das gemeinsame Qualitätsmanagement in der Lieferkette. VDA-Standard Erstellung kundenspezifischer QM-Systemanforderungen auf Basis der ISO/TS 16949.

http://www.vda-qmc.de/publikationen/gelbdrucke/


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World Accreditation Day und fragwürdige Prüfsiegel

Thomas Funck
17. Juni 2010

Am 9. Juni war „World Accreditation Day“. Jetzt sagen Sie nicht, dass Sie davon nie gehört hätten! Vielleicht hilft Ihnen ja die offizielle Meldung der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS): „An diesem Datum wird jedes Jahr in über 60 Ländern der Weltakkreditierungstag mit Veranstaltungen und Aktionen gefeiert. Er findet in diesem Jahr zum dritten Mal statt. Ziel des weltweiten Aktionstages ist es, die Bedeutung von Akkreditierungen für das System der Qualitätssicherung von Produkten und Dienstleistungen im freien Welthandel zu verdeutlichen.“ Ins Leben gerufen haben diesen Feiertag das IAF (International Accreditation Forum) und die ILAC (International Labratory Accreditation Cooperation). Gastgeber in Deutschland war die DAKKS in Berlin – Friede, Freude, Lachsbrötchen.
Doch was mussten wir schon Tage zuvor aus dem Fernsehen erfahren? Einer der bekanntesten Zertifizierer, der Technische Überwachungsverein TÜV, steht in der Kritik! Der altehrwürdige und wohlakkreditierte TÜV verkaufe seinen guten Namen, lautet die Aussage eines Frontal21-Berichts. Das TÜV-Gütezeichen verkomme zum Werbegag! Skandale bei Internet-Unternehmen wie “schülerVZ” oder dem Online-Buchhändler “libri.de” zeigen die Mängel von Prüfsiegeln, denn diese Datenschutz-Sünder sind TÜV zertifiziert. Der TÜV bemerkte zu seiner Verteidigung nur trocken: „Sämtliche Verfahren für die Vergabe von TÜV-Siegeln beruhten auf standardisierten Kontrollverfahren wie beispielsweise der Norm für Qualitätsmanagement ISO 9001.“ Und damit hat er sogar Recht. Jeder Qualitäter weiß, dass ein zertifiziertes QM-System keine Garantie für hochwertige Produkte oder Dienstleistungen ist.
Letztlich ist Zertifizierung eben auch nur ein Business. Und was für eines. Alle deutschen TÜV-Gesellschaften  zusammen erwirtschafteten im Krisenjahr 2009 einen Umsatz von etwa 3460 Mio. Euro (Quelle: Autobilwoche)! „Akkreditierung – Zertifizierung – Cash Machines“ wäre das nicht ein anregendes Thema für den nächsten World Accreditation Day?

Das ZDF strahlte am 1. Juni 2010 die Sendung „Frontal 21“ aus. Titel des Beitrags: „Fragwürdige TÜV-Siegel – Die Milliardengeschäfte der Prüfer“ Der Beitrag kann online betrachtet werden:

http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/0/0,1872,8076416,00.html