Sie kennen die alte Anekdote: Bill Gates und ein namhafter Automobilmanager treffen auf einer Konferenz zusammen. Gates sagt: “Wenn wir unsere Software so langsam entwickeln würden wie ein Automobil, dann wären wir heute noch bei Windows 1.0.” Darauf der Automanager: “Wenn unsere Fahrzeuge so zuverlässig wären wie Ihre Software, dann würden sie mindestens einmal am Tag liegen bleiben.”
Diese Geschichte ist vermutlich zwanzig Jahre alt, aber im Kern noch immer wahr. Mit dem Unterschied, dass ein Auto heute ein rollender Hochleistungscomputer ist – zumindest im Vergleich zu damaligen PCs. Das leidige Thema fehlerbehafteter Software und unzuverlässiger Fahrzeugelektronik ist nahezu jedem bekannt. Deshalb schlossen sich führende Autohersteller zusammen, um dem Problem mit vereinten Kräften zu Leibe zu rücken. Die Wunderwaffe gegen Elektronikprobleme heißt seither Automotive SPICE. Es handelt sich um ein Modell, das einerseits die Soll-Prozesse bei der Software- bzw. Elektronikentwicklung festlegt und andererseits sechs Reifegrade vorsieht, die dem ermittelten Reifeprofil entsprechen.
Assessoren, die sich auf diese nicht ganz einfache Thematik verstehen, sehen sich die Fähigkeit eines Software- bzw. Elektronikanbieters durch die Prozessbrille genau an. Und sie befinden darüber, welchen SPICE-Level ein Lieferant erhält. Vier Jahre sind seit der Verabschiedung des Prozessassessmentmodells Automotive SPICE verstrichen, das auf der ISO/IEC 15504 basiert.
Deshalb sei die Frage gestattet: Was hat Automotive SPICE bis heute gebracht?
Tags: Automotive SPICE, Prozessassessmentmodell, Reifegrade, Software- bzw. Elektronikentwicklung





Sorry, 4 Jahre? Meines Wissen wurde so um Ende 2002 bei der HIS beschlossen, dass alle Zulieferer, die SW für Automotive entwickeln, bis xxxx den SPICE Level 3 haben sollten (das Datum, bis wann das dann erfolgt sein sollte weiss ich nicht mehr, war sowieso unrealistisch, sowohl Datum als auch Level), was dann später auch relativiert durch Änderung auf L2 mit einem etwas relaxteren Zeitplan.
Es wurde festgestellt, dass die SPICE-Forderungen teils zu umfangreich, teils nicht tiefgehend genug für die ??? waren (?!). Das führte dann zur Automotive SPICE Initiative, die Ende 2006 Automotive SPICE in München der “Öffentlichkeit” vorstellte, d.h. die Arbeit hierfür war aber noch nicht abgeschlossen, um so von der ISO in allen Teilen akzeptiert zu werden, war aber so schon anwendbar.
Leider hat es bis heute nicht dazu geführt, dass alle Zulieferer tatsächlich den geforderten Level 2 in den entsprechenden Prozessen erreicht haben (was zum Teil daran liegt, das auch Hersteller, und namentlich hier deren Einkäufer, nicht die Prozessreife von mind. L2 erreicht haben, bzw. sich entsprechend verhalten.
Man kann nicht die Einhaltung von Prozessen fordern und sich selbst nicht daran halten. Damit übersteuert man dann Prozesse - sprich, verdammt sie zur Nutzlosigkeit (was sicherlich QMs und PMs aus allen Bereichen bestätigen können). Das will ich hier aber nicht vertiefen…..
Global verteilte Entwicklung, Effizienzsteigerung, funktionale Sicherheit – Herausforderungen, die heute die Elektronikentwicklung erreicht haben und zu Veränderungen führen. Viele Zulieferer und OEMsreflektieren gerade in der aktuellen Krise, wie sie ihre Entwicklung schlank und dennoch zukunftsorientiert aufstellen. Dabei bieten die Reifegradmodelle CMMI und SPICE eine gute Unterstützung, denn sie wurden von Experten aus der Industrie sorgfältig auf die Bedürfnisse in der Hardware-, Software- und Systementwicklung abgestimmt.
Automotive SPICE ist eine gute Basis, um die Qualität, Effizienz und Liefertreue in der Entwicklung von E/E Systemen in der Automobiltechnik zu verbessern. Unsere Erfahrung bei vielen Kundenprojekten in der Umsetzung von funktionaler Sicherheit und Kostenreduzierung ist, dass Level 3 eine wesentliche Voraussetzung dafür ist, die E/E-Entwicklung zeitgemäß und zielgerichtet aufzustellen.
Zusammengefasst lassen sich unsere Ergebnisse in ganz verschiedenen Unternehmen (OEMs, Tier1 und Tier 2) wie folgt verdichten:
- Bei richtiger Anwendung bringen SPICE-basierte Verbesserungsprojekte messbare und nachhaltige Erfolge bei Termintreue, Kosten, Produktivität und Qualität.
- Verschiedene OEMs in Deutschland haben durch gezielte Nutzung von SPICE in Lieferantenbewertungen konkrete Verbesserungen im Schnittstellenmanagement und in der Liefertreue erreicht.
- Die erreichten Effekte hängen wesentlich von der eigenen - betriebswirtschaftlich orientierten - Zielsetzung ab, und werden nicht automatisch erreicht.
- Nachhaltige Verbesserungen erfordern ein professionelles Veränderungsmanagement.
Allerdings darf SPICE nicht als starre Vorgabe missverstanden werden. Es ist ein Werkzeug dafür, seine Position als Lieferant oder Hersteller ständig zu hinterfragen und dort zu optimieren, wo konkreter Bedarf besteht.
Detaillierte Fallstudien dazu:
https://www.vector-worldwide.com/vc_download_de.html?product=consulting
Na ja, Automotive SPICE als Wunderwaffe ist wohl ein bisschen hoch gegriffen. Fakt ist auch, daß Automotive SPICE sich nicht dadurch auszeichnet, inhaltlich das “bessere” Modell zu sein als z.B. CMMI. Wichtig ist die Einigung der Automobilindustrie, Entwicklungsprozesse einheitlich nach Automotive SPICE zu bewerten, damit jeder auf Basis derselben Regeln arbeitet.
Was hat Automotive SPICE bis jetzt gebracht? Ich denke in erster Linie Klarheit und Bewusstsein. Wenn man in Steuergeräte-Entwicklungsprojekten tätig ist und weiss, daß diese Arbeit nach einem definierten Modell bewertet wird, dann wird man sich vielleicht auch mit diesem Modell auseinander setzen. Das schafft Bewusstsein für die Prozesse und wie sie idealerweise laufen und organisiert werden sollten. Die Klarheit war mit der Empfehlung des VDA für Automotive SPICE da. Das war der Wegweiser, der angegeben hat, in welche Richtung die Automobilindustrie marschiert.
SPICE hat im Automobilbereich den Weg vom Papier in die Köpfe der beteiligten Personen geschafft, das ist schwierig zu messen, aber es ist unbestreitbar, daß Unternehmen mit besseren SPICE-Leveln auch die besseren Produkte liefern.