Qualität – kein Thema auf der IAA?
Thomas FunckFreitag, 25. September 2009
Die 63. IAA hat sogar im Krisenjahr Aufsehen erregt. Einige Aussteller haben zwar gefehlt, aber das fiel angesichts der teils bombastischen Inszenierungen von Marken und Motoren kaum ins Gewicht. Von den aktuellen Problemen der Autoindustrie konnte die Veranstaltung indes nur temporär ablenken.
Sogar VDA-Präsident Matthias Wissmann weist in einem Begrüßungsschreiben darauf hin, dass “dunkle Wolken über unserer Branche hängen”. Als Kernproblem identifiziert er das verfehlte Ziel, den Verbrauch neuer Fahrzeuge auf drei Liter zu senken. Die Elektrifizierung des Autos beschreibt er als “große Unbekannte”. Über Qualität dagegen liest man nichts, hörte man nichts – hier scheint alles im grünen Bereich.
Es sei denn, man war Besucher des VDA-QMC-Forums im Rahmen der IAA. Dort wurde in zahlreichen, hochkarätigen Vorträgen auf bestehende Problem- oder wenigstens Entwicklungsfelder der Qualitätssicherung aufmerksam gemacht. Beispielsweise die Schadteilanalye Feld, die für jeden Autohersteller ein Quell der Hoffnung sein sollte. So belaufen sich die Garantiekosten bei Daimler auf rund 30 Milliarden Euro pro Jahr. Betroffen von schadhaft ausgelieferten Bauteilen sind aber auch die Zulieferer, die mit entsprechenden Regressforderungen der Hersteller konfrontiert werden. Wer mithilfe standardisierter Analyseprozesse in den kommenden Jahren Land gewinnt, wird deutlich profitabler produzieren können.
Ein ebenso viel versprechendes Feld ist die fehlerfreie Entwicklung von Fahrzeugelektronik. Automotive SPICE ist hier der Standard, der Hoffnung auf strukturierte Entwicklungsprozesse im Software- und Elektronikbereich macht. Auch hier gilt: Sparen durch Effizienz.
Auf einer Glanz- und Gloria-Messe beeindrucken abstrakte Themen wie diese freilich wenig. Doch im Ringen um Profitabilität und eine sichere Position im weltweiten Wettbewerb werden sie eine entscheidende Rolle spielen. Nicht zuletzt können konsequent angewandte Standards dazu beitragen, das Image deutscher Autos zu bewahren: Made in Germany!
Tags: Automotive SPICE, IAA, Regressforderungen, Schadteilanalye Feld, VDA-Präsident Matthias Wissmann




