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Archiv für den 24. März 2011

Wo bleibt das Risikomanagement?

Thomas Funck
Donnerstag, 24. März 2011

Die Reaktorkatastrophe in Japan kann als weiteres Menetekel für postmoderne Risikogesellschaften gedeutet werden. Die gesellschaftliche Bereitschaft, hochriskante Technologien für ein scheinbar besseres Leben in Kauf zu nehmen, wird vermutlich nachhaltig abnehmen. Atomkraft, Bio- und Gentechnologie, aber auch die Chemie bewegen sich vielfach in unberechenbaren, schwer vorhersehbaren und damit kaum beherrschbaren Risikozonen.

Dabei gibt es Tools zur Einschätzung von Gefährdungspotenzialen. Die Risikomatrix nach Nohl etwa beurteilt Risiken gemäß deren Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenhöhe auf einer fünfstufigen Skala. Demnach bewegt sich eine Technologie, die mit Blick auf die Schadenhöhe katastrophale Konsequenzen für das Leben der Menschen birgt, im kritischen Bereich (Stufe 5). Und das auch, wenn die Eintrittswahrscheinlichkeit denkbar gering ist (Stufe 1) – so wie die nun eingetretene Kombination aus Megabeben und Tsunami. Angesichts des japanischen Infernos muss man schließen, dass eine Risikobeurteilung dieser Art bei der AKW-Planung entweder nicht erfolgt ist, oder eben (allzu menschlich) nicht mit letzter Konsequenz betrieben wurde. Offenbar haben sich einmal mehr Profitdenken und mangelnde politische Weitsicht gegenüber der Vernunft durchgesetzt.

Doch Risikomanagement scheint noch vorwiegend ein Thema für Finanzvorstände zu sein. Eine CFO-Panel-Umfrage des Managementberaters Horváth & Partners kam jüngst zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Das Risikomanagement vieler Unternehmen weist Lücken auf, Finanzvorstände sehen Verbesserungsbedarf. Und diesen erkennen sie nur mit Bezug auf die Finanzen ihrer Unternehmen, keineswegs bei der Technologie. Das ist denkwürdig, denn der Erfolg einer Technologie entscheidet bekanntlich über die finanzielle Performance. Nur rund 40 Prozent der 200 Befragten gab an, dass Risikoinformationen fachlich in die strategische und operative Planung integriert sind. Immerhin mehr als ein Viertel der befragten Unternehmen hat überhaupt kein formalisiertes Risikomanagementsystem. Auffällig in der Studie ist auch der Umstand, dass gerade Branchen mit hohem technologischen Risikopotenzial am wenigsten in Risikomanagement investieren. Unternehmen aus dem Bereich Chemie, Pharma, Öl beschäftigen hier im Durchschnitt gerade einmal vier Mitarbeiter je Unternehmen. Am meisten Mitarbeiter im Risikomanagment beschäftigen Banken und Versicherungen mit durchschnittlich zehn. Es folgt die Automobilbranche mit durchschnittlich acht Mitarbeitern.

Ist es also an der Zeit für ein Umdenken, auch im Qualitätsmanagement? Sollte nicht das Risikomanagement – als Bestandteil eines integrierten Managementsystems – dem Aufgabenbereich des QM zugeordnet werden?

Risikomatrix

Weitere Informationen:

  • Beck, U.: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Suhrkamp
  • www.horvath-partners.com/studien

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