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Archiv für den 10. August 2011

Die zweite Welle

Thomas Funck
Mittwoch, 10. August 2011

Letzte Woche ist geschehen, was aufmerksame Beobachter seit langem erwarten: Der zweite Finanz-Tsunami hat die Märkte der Welt durchgerüttelt. Welche Auswirkungen diese Flutwelle auf die Wirtschaft, die Industrie und Dienstleister haben wird, ist derzeit Spekulation. Man darf aber ein weiteres Mal fragen, wie so ein Desaster grundsätzlich möglich ist.

Die Gründe scheinen bekannt und werden in sämtlichen Nachrichtenformaten monoton wiedergekäut. Da ist von der Schuldenkrise die Rede, in den USA wie im Euroraum. In der Herabstufung der wirtschaftlichen Supermacht USA durch Rating-Agenturen und der darauf folgenden Panik an den Börsen sehen Banker den Auslöser. Mag ja alles stimmen, doch rechtfertigt dieses von Verlustangst getriebene Handeln an den Finanzmärkten einen Crash, der abermals Kapital in astronomischen Dimensionen verbrennt?

Die deutschen Autohersteller haben noch kurz vor dem zurückliegenden schwarzen Donnerstag sensationelle Zahlen vorgelegt. Sie repräsentieren die Kraft eines Wirtschaftens, das auf schlanke und effiziente Werschöpfungsprozesse setzt. Und dies über ein globales Netzwerk von Lieferanten hinweg. Selbstverständlich funktioniert ein derartiges System nur mit ausgeklügelten Spielregeln, an die sich alle halten. Normen und Standards bilden eine filigrane Mechanik für das globale Zusammenspiel. Doch wie sieht im Vergleich dazu das weltweite Finanzsystem aus?

Schon während der letzten Finanzkrise, und damals waren klar die Banken die Auslöser, wurde über eine länderübergreifende Regulierung der Finanzmärkte diskutiert. Geschehen ist freilich nichts. Der Widerstand der Banken ist enorm und eine politische Einigung auf internationaler Ebene scheint gerade in Finanzfragen heikel. Doch die Idee einer Finanzmarktregulierung sollte nicht aufgegeben werden. Der Motor einer gesunden Weltwirtschaft wird auf absehbare Zeit die Produktion von Gütern und Dienstleistungen bleiben – nicht die riskanten Geschäfte an unberechenbaren Finanzmärkten.

Wie lange wollen Unternehmer und Aufsichtsräte eigentlich noch zusehen, wie Kapital von finanziellen Flutwellen davongeschwemmt wird? Und wie lange können es sich sogenannte Kreditinstitute noch erlauben, ihrer eigentlichen Funktion nicht gerecht zu werden: Den Wirtschaftsmotor mit Sprit zu versorgen, statt diesen sorglos zu verbrennen?

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