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Was spricht in Zukunft noch für Messen?

Thomas Funck
Donnerstag, 22. April 2010

Angesichts zahlreicher neuer Marktplätze im Internet und abnehmender Besucher- und Ausstellerzahlen ist diese Frage berechtigt. Die Zeitschrift Productivity Management ließ dazu anlässlich der Hannover Messe einen Profi zu Wort kommen. Ulrich Kromer von Baerle, Geschäftsführer der Messe Stuttgart, bricht darin eine Lanze für die klassische Fachmesse. Trotz Internet und neuer Kommunikationskanäle im Social Media Marketing seien Messen nach wie vor eine der wichtigsten Bausteine im Marketingplan. So seine These, die er mit einer Studie des Verbands der deutschen Messewirtschaft AUMA belegt. Dieser fand heraus, dass 81 Prozent der ausstellenden deutschen Unternehmen Messen und Ausstellungen für besonders wichtig halten, sofern es um business-to-business-Kommunikation geht. Damit sind der intensive persönliche Dialog und die Vertiefung von Kundenbeziehungen gemeint. Interessant wäre darüberhinaus, welche Haltung die nicht ausstellenden Unternehmen zur Bedeutung von Messen einnehmen – und warum.

Ein weiteres Argument pro Messe ist für Stuttgarter Messe-Chef, dass sich unter einem Dach eine ganze Branche präsentiert – zum Wohl des Besuchers. Dieser muss nicht wie im Internet mühsam selektieren, sondern kann sich von ausgewählten Produkten oder Dienstleistungen vor Ort ein Bild machen. Gerade bei erklärungsbedürftigen Angeboten ist dies natürlich ein Vorteil gegenüber elektronischen Märkten.

Einen aus Besuchersicht gewichtigen Vorteil der Messe hat der Messeprofi übrigens nicht ins Feld geführt: die Möglichkeit des direkten Vergleichs zwischen ähnlichen Produkten.

Den Argumenten pro Messe stehen freilich überzeugende Gründe gegenüber, die potenzielle Aussteller und Besucher abschrecken. Da sind zunächst die hohen Kosten eines Messebesuchs: Für den Aussteller bedeutet Messe einen gewissen Planungsaufwand, das kostspielige Abstellen von Mitarbeitern und hohe Standgebühren. Für den Besucher bedeutet Messe eine Kerbe im Zeitbudget, beträchtliche Reise- und Übernachtungskosten und stattliche Eintrittspreise.

Tatsache ist, dass viele Unternehmen längst Abstand vom Marktplatz Messe genommen haben. Sie glauben, mit Hausmessen oder selbstorganisierten Tagungen ihre Zielgruppe besser zu erreichen. Ob diese Veranstaltungen tatsächlich günstiger sind, ist schwer zu beurteilen und hängt mit dem betriebenen Aufwand zusammen. Letztlich ist es wohl eine Frage der individuellen Marketingstrategie.

Dass die Konjunktur einen bedeutenden Einfluss auf Marketingbudgets hat, muss hier nicht erklärt werden. Messen leiden unter den Auswirkungen der Finanzkrise ebenso wie deren Besucher und Aussteller. Ob die Kennzahlen der diesjährigen Fachmesse Control 2010 wieder nordwärts weisen? Lassen wir uns überraschen.

Quelle:
Ist die klassische Messe noch zukunftsfähig? In: Productivity Management 15 (2010) Sonderausgabe, S. 30-31

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